I don't expect to find

by Maria Marchgraber (Austria)

I didn't expect to find Austria

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Auf in die Welt! Neues kennenlernen, Grenzen zurücklassen und seinen Horizont erweitern. Das ist mein Traum. Ist das mein Traum? Ferne Länder zu sehen, Menschen kennenzulernen, in mir unbekannte Kulturen und Traditionen eintauchen, das ist mein Traum. Aber ist es auch mein Traum mit einem Flugzeug zu reisen, und mit jeder Flugmeile, die ich zurücklege, unseren Planeten ein Stückchen mehr zu zerstören? Ist es mein Traum, wenn ich meine Wunschdestination, nach einigen Stunden der intensiven Folter unseres Ökosystems, endlich erreiche, in einen traumhaften Hotelkomplex einzuchecken, der direkt am Strand gelegen ist, dort wo vor wenigen Jahren noch keine Touristentruppen, sondern höchstens Schildkrötenbabys eine Unterkunft fanden? Diese lebten zwar nicht in der Superior Suite, doch das war auch nicht notwendig, denn damals bestand der Strand auch noch aus Sand, und nicht aus Getränkedosen und Plastikflaschen. Ist es mein Traum, die authentische Begegnung mit den Menschen anderer Kulturen darin zu finden, dass diese das Hotelzimmer reinigen, in dem ich achtlos meinen Müll zurücklasse (schließlich befinde ich mich ja im Urlaub)? Oder indem sie mich für einen Hungerlohn gemeinsam mit unzähligen anderen Sightseeing-Wütigen, ganz exklusiv zu den beliebtesten Attraktionen des Landes führen? Ist das mein Traum? Aber sicher, schließlich tue ich das ja nicht bloß um mich daran zu erfreuen. Ich tue ja auch dem Land durchaus etwas Gutes. Schließlich müssen die Menschen dort ja auch von etwas leben. Der Tourismus ist nahezu deren einzige Einnahmequelle, habe ich erst neulich im Fernsehen gehört. Würden es diese Form des Reisens plötzlich nicht mehr geben, würde das ja eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten. Da muss man die Zerstörung des Klimas und die Ausbeutung der Bevölkerung nun leider einfach in Kauf nehmen. Oder? Ist das vielleicht doch nicht mein Traum? Vielleicht ist es mein Traum Grenzen nicht nur zurückzulassen, sondern zu durchbrechen. Nicht fremde Kulturen kennenzulernen, sondern zu begreifen., dass es sich dabei um wunderbare unterschiedliche Aspekte einer gemeinsamen, vielfältigen Kultur handelt. Vielleicht ist es mein Traum, dass es nicht notwendig ist Unmengen von Kohlendioxid in die Luft zu blasen, um bequem von einem Ort zum Anderen zu gelangen, sondern, dass ich auf einer längeren, möglicherweise beschwerlicheren, aber ganz sicher spannenderen Reise, mein Ziel ganz genauso erreichen kann. Möglicherweise ist es mein Traum, dass der Luxus-Hotelkomplex nicht vergrößert wird, dass ich nicht in meiner Suite im Kingsize-Bett, sondern am Stand unter dem wunderschönen Sternenhimmel schlafe. Vielleicht ist es mein Traum, dass ich reisen kann, neue Welten entdecken kann, Menschen kennenlernen und Grenzen einreißen kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben und mir ständig gut zureden zu müssen, dass es ja doch nicht so schlimm sei, was ich hier tue. Denn es ist schlimm, was ich hier tue. Reisen, so wie es die meisten Menschen heute als „normal“ ansehen, ist sehr wohl schlimm, sogar mehr als schlimm. Und diese Tatsache ist den meisten Menschen dabei gar nicht bewusst. I didn’t expect to find…. I don’t expect to find… Ich erwarte nicht, dass ich plötzlich reisen kann, ohne meine Fußabdrücke auf unserem Planeten zu hinterlassen. Aber mein Traum ist es, einen Weg zu finden, wie diese Fußabdrücke nicht mehr die von Riesen sind, sondern dem kleinen Lebewesen Mensch, wie ich einer bin, angemessen sind.